Fragen an unsere beratende Pädagogin G. Wirth

Aus Sicht der Pädagogik: Warum findest du das Projekt SARAH UND DIE WOLKE wichtig?

1. Kinder sollen zu kommunikativ und kooperativ kompetenten Menschen erzogen werden. In unserem Projekt setzen sich die Kinder mit sich selbst auseinander, mit Stärken und Schwächen, mit positiven UND negativen Gefühlen, die genauso zu Leben gehören (Licht und Schatten).

2. Sie können hier lernen, sich im Schutz der Gruppe zu öffnen, sich selbst und die anderen besser wahrzunehmen, Grenzen zu erkennen und zu wahren, über Gefühle zu sprechen und Gefühle auf andere Weise auszudrücken. So können sie erfahren, dass es erleichternd ist, auch über eigene negative Gefühle zu sprechen, können sich in andere hineinversetzen, lernen, einander zu tolerieren, erleben das Gefühl, dass sie nicht allein sind mit ihren Ängsten und ihren auch negativen Erfahrungen.

3. So leistet das Projekt einen wertvollen Beitrag zur sozial-emotionalen Kompetenzentwicklung von Kindern.

Bei der ersten gemeinsamen Arbeit der 3c mit dem Team in der SchuleEins

4. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass negative Themen nicht tabuisiert oder verdrängt werden, sondern dass es um eine kindgerechte Auseinandersetzung mit sich und dem Leben geht (Das Leben ist kein Ponyhof und bedeutet eben auch Schmerz, Wut und Grenzerfahrungen!).

5. Es gehört auch zu den Zielen des Projekts, dass sich die Kinder mit ihren Eltern darüber austauschen. Eltern sind Vorbilder für die Kinder, sie werden erst recht spät hinterfragt. Aber Eltern sind auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Und auch für Eltern ist es oft schwierig, sich den eigenen unangenehmen Gefühlen zu nähern. Insofern können durch dieses Projekt auch die Eltern gestärkt, sensibilisiert und angeregt werden, sich mit ihrem Kind auseinanderzusetzen, sich den Fragen des Kindes zu stellen, Gefühle auszudrücken, Gefühle auszuhalten, die Familie zu stärken und so zur Entwicklung ihres Kindes beizutragen.

Welche Rolle spielt die Teilnahme der Kinder in Bezug auf die Entstehung des künstlerischen Projektes bis jetzt?

Es ist ein Stück für Kinder. Aber nur zu konsumieren wäre zu wenig in diesem schwierigen Kontext. Durch aktive Teilnahme und Mitgestaltung gehen die Kinder mehr in die Tiefe, setzen sich behutsam, aber intensiver mit dem Thema Gewalt und Familie auseinander. Dies birgt viel Ausdruckspotenzial. Wir können die Kinder so besser sensibilisieren.

Dadurch, dass sie sich über einen längeren Zeitraum mit sich und dem Thema beschäftigen, bleibt das Thema nicht nur an der Oberfläche, sondern wird von verschiedenen Seiten aufgegriffen, besonders in der Projektwoche, wo die Kinder sich dem Thema mit allen Sinnen nähern können und sich trotzdem nur soviel damit beschäftigen, wie es ihnen gut tut.

In der Klassengemeinschaft werden sie durch die Pädagoginnen aufgefangen und es besteht durch die Kooperation mit der Schule ein ständiger Austausch. Dies ist der Vorteil der langfristigen Kooperation von Theater und Schule, denn es ist nicht nur ein Nachmittag, an dem ein Theaterstück angeschaut wird und kurze Fragen beantwortet werden. Das Thema kann durch unser Projekt unter die Haut schlüpfen, zum Nachdenken und Besprechen anregen und nachhaltiger wirken.

Bei der Arbeit für die Klanginstallation haben sich die Kinder bereits mit positiven und negativen Gefühlen auseinandergesetzt. Sie konnten sich in der Gemeinschaft öffnen, auch leistungsschwache Kinder haben hier die Chance, sich in einem leistungsfreien, geschützten Raum einzubringen. Gleichzeitig bietet das Projekt Schutz, jedes Kind zeigt nur soviel von sich selbst, wie es aushält und zeigen will. Es erlebt aber, dass auch andere Kinder glückliche und unglückliche Momente oder Erfahrungen haben und dass dies zum Leben dazugehört. Dadurch verliert Unglück an Bedrohlichkeit. Sie können erfahren: Es hilft, darüber zu sprechen, sich nicht allein zu fühlen, Gefühle wie Wut, Trauer, Ohnmacht auszudrücken.

Während der Projektwoche haben die Kinder die Chance, sich mit allen Sinnen mit Sarah zu beschäftigen. Sie können so herausfinden, zu welchen Ausdrucksmitteln und Methoden sie den besten Zugang entwickeln können (Sprache, Körper, Stimme, Malen, Gestalten, Bewegung …)

Welche Aufgabe hast du in diesem Projekt?

Ich verstehe mich als Beraterin des künstlerischen Teams. Dies beinhaltet für mich vor allem den Dialog darüber, was man den Kindern zumuten und zutrauen kann im Bereich des künstlerischen Ausdrucks, als auch herauszustellen, an welchen Punkten man tiefer ins Thema einsteigen, reflektieren und Gefühle transparent machen kann, um Kinder aufzufangen, darauf zu achten, das Thema Gewalt nicht zu schwer aufzugreifen, sondern kindgerecht zu vermitteln und eigene kindliche Ressourcen so zu nutzen, sodass Kinder daran wachsen können. Gewalt und Unglück betrifft alle Kinder in irgendeiner Form, und selbst wenn ein Kind bisher nur glücklich aufgewachsen ist, so sieht es doch in der Klasse auch Kinder mit anderen Erfahrungen. Die Frage ist daher, wie man damit umgeht, wie man Kinder stärken kann, damit sie einen besseren Zugang zu sich selbst haben, damit negative Erfahrungen oder Grenzüberschreitungen nicht verdrängt oder tabuisiert werden, damit die Klasse gestärkt wird und miteinander wachsen kann. Von daher ist es auch ein Gruppenprozess, der in Gang gesetzt wird. Schlussendlich verstehe ich das Projekt also auch als ein pädagogisches Projekt, in dem die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder gestärkt werden.

Deshalb finde ich es sehr wichtig, in Zusammenhang mit unserem Projekt mit den Kindern zum Thema Gefühle/Grenzen/Gewalt zu arbeiten und biete im Rahmen des Projektes drei kindgerechte Unterrichtseinheiten zu diesen Themen an.

Was ist die weitere Planung für die Zusammenarbeit zwischen der Schule und dem Theaterteam?

Wir werden im Rahmen des halbjährigen Inspirationsthemas „Glück“ das Thema immer wieder aufgreifen. Die Lehrerin und die Erzieherin unterstützen uns dabei. Die Kinder erhalten also während der Projektzeit immer wieder die Chance, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Das Projekt wird so keine „Eintagsfliege“, sondern begleitet die Kinder bis ins nächste Schuljahr hinein.

In der Projektwoche im Juni können sich die Kinder täglich intensiv künstlerisch zusammen mit dem Theaterteam mit Sarah beschäftigen und werden sich mit verschiedenen Sinnen auszudrücken lernen.

Wir achten dabei auf permanenten Austausch und Dialog zwischen Schule und Theaterteam.

Wir werden versuchen, die Unterrichtsblöcke auf der Website transparent zu kommunizieren und den Prozess zu dokumentieren.

Wir hoffen, dass wir auch bei einigen Proben des Theaterteams dabei sein können, wenn es zur Umsetzung des Theaterstückes kommt.

Vielleicht ergibt sich sogar ein weiteres Projekt, mit dem man hier anknüpfen kann.

Vielen Dank, Gundula, für deine aufschlussreichen Antworten!